Ackerbau

Pflugwettbewerb
Luca Deisting und Matthias Stengelin gewannen die Deutsche Pflugmeisterschaft

Deutschlands beste Pflüger kommen aus der Pfalz und Baden-Württemberg und vertreten Deutschland bei der WM in den USA. 2 Frauen und 24 Männer aus 7 Bundesländern traten am Sonntag beim Bundesentscheid gegeneinander an.

Zweieinhalb Stunden akkurate Arbeit mit dem Pflug haben sich für Luca Deisting und Matthias Stengelin gelohnt: Der 21 Jahre alte Feuerwehrmann-Auszubildende aus Orfgen in Rheinland-Pfalz und der 26 Jahre alte Techniker der Landwirtschaft aus Eigeltingen in Baden-Württemberg setzten sich am Sonntag vor rund 2.000 Zuschauern in Steimbke im Kreis Nienburg bei den Deutschen Meisterschaften im Leistungspflügen durch.

Deisting sammelte mit dem Beetpflug die meisten Punkte, Stengelin war Bester mit dem Drehpflug. Die Starter aus Niedersachsen sicherten sich die beiden dritten Plätze und überzeugte mit einer starken Teamleistung. Dies teilte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit, die den Wettbewerb für Nachwuchskräfte bis 35 Jahre zusammen mit der Deutschen Lehranstalt für Agrartechnik (Deula) in Nienburg und dem Deutschen Pflügerrat organisiert hatte. 

Ihre Siegerpokale bekamen die Bestplatzierten aus den Händen von Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, von Jan Hägerling, Landesvorsitzender der Niedersächsischen Landjugend, und von Helmut Wolf, Vorsitzender des Deutschen Pflügerrats.

Die weiteren Plätze auf den Treppchen gingen im Beetpflügen an Carsten Berl (25 Jahre, aus Kehl-Goldscheuer/Baden-Württemberg, 2. Platz) und an den vormaligen Bundessieger Florian Sander (27 Jahre, aus Bötersen/Kreis Rotenburg, 3. Platz) sowie im Drehpflügen an Stefan Oechsle (30 Jahre, aus Setzingen/Baden-Württemberg, 2. Platz) und an den Burgdorfer Andi Meyer (26 Jahre, 3. Platz).

Die Niedersachsen überzeugten insgesamt mit einer sehr guten Teamleistung: Im Beetpflügen sicherten sich überdies Marc Krull und Sophia Engelke den fünften und sechsten Platz. 

15 Hektar – so groß wie 21 Fußballfelder – maß das Wettbewerbsgelände in der Samtgemeinde Steimbke, auf dem alle Teilnehmer bei trotz nassen Wetters guten Bodenbedingungen gegeneinander antraten. Alle Finalisten reisten schon einige Tage vor dem Wettkampf an, um sich auf Probeflächen mit dem Terrain vertraut zu machen. 

Mit ihren teils aufwändig umgebauten Pflügen hatten sie je 100 Meter lange und 16 bis 30 Meter breite Parzellen zu bearbeiten. Die Punktrichter bewerteten unter anderem, wie sauber und ausgeräumt die Spaltfurche – das ist die erste Furche – gelang. Zudem achteten sie darauf, wie exakt die Tiefeneinstellung sowie das Ein- und Aussetzen des Geräts funktionierte und ob am Ende noch Erdreich ungepflügt übrigblieb.

Beim Drehpflügen wurde außerdem ein Keil, also ein spitz zulaufender Schlag, ausgepflügt – hierbei war besondere Präzision gefragt. Neben der praktischen Prüfung mussten die jungen Frauen und Männer außerdem einen Theorie-Test möglichst fehlerfrei bewältigen.

Mit ihrem Sieg qualifizierten sich Luca Deisting und Matthias Stengelin für die Weltmeisterschaft im Pflügen (WM) 2019 in den USA. Die Zweitplatzierten dürfen sich über die Teilnahme bei der Pflüge-WM 2020 in Russland freuen. Der Burgdorfer Andi Meyer sowie Michael Dörner (21 Jahre, aus Lahr/Baden-Württemberg, 4. Platz im Drehpflügen) fahren zu den nächsten Europameisterschaften.

Mit Beetpflügen funktioniert das Pflügen nur in eine Richtung und nach einer Seite, meistens nach rechts. Größere Felder müssen deshalb in kleinere Beete eingeteilt werden. Beetpflüge sind wesentlich leichter und auch preisgünstiger als Drehpflüge.

Die Drehpflüge werden jedoch heute in der Praxis bevorzugt, weil mit ihnen eine gleichmäßigere, ebenere Oberfläche erzielt wird. Da mit dem Drehpflug keine Beete angelegt werden müssen, sinken die Wendezeiten. Außerdem kann während des Pflügens bereits mit der Bestellung begonnen werden.

Wer das Pflügen beherrscht, der durchlüftet seinen Ackerboden bestmöglich, beseitigt Unkraut, vertreibt Schädlinge und fördert die Fruchtbarkeit für den erfolgreichen Anbau der nächsten Kultur.

Trotz erheblicher technischer Vervollkommnung von Pflügen und Schleppern gilt daher eine gründliche Ausbildung, die dauernde Übung und die daraus gewonnene Arbeitserfahrung im Pflügen für den Landbau als unverzichtbar. 

Für den landwirtschaftlichen Nachwuchs halten deswegen verschiedene Organisationen seit Jahren das Leistungspflügen ab – sowohl als lokale Wettbewerbe als auch als Landes- und Bundeswettbewerb sowie auf internationaler Ebene.

 

Quelle: LWK Niedersachsen