Agrar-Politik

Kommunen auf dem Weg zur Pestizidfreiheit
"Glyphosatfreie" Kommunen – Vorreiter oder Marketing?

Politiker auf blühender Wiese

Florian Pronold, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium besucht die Stadt Dachau, um sich zu informieren.

Bild: BMU/Lennart Preiss

Über 200 Städte in Deutschland haben sich mittlerweile entschieden "Glyphosatfrei" zu werden. Dazu zählt auch die bayerische Stadt Dachau. Dachau verpachtet jetzt Ackerflächen nur noch an Landwirte, die auf Glyphosat verzichten.

Die Kommune hatte im vergangenen Jahr einen Stadtratsbeschluss gefasst, wonach Landwirte auf städtischen Pachtflächen auf Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat und auf Neonikotinoide verzichten zu müssen. Dies gilt jedoch nur für Neuverpachtungen. Bestehende Pachtverträge sind von dem Stadtratsbeschluss nicht betroffen.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium Florian Pronold hat die Stadt nun besucht.

Florian Pronold: "Die weitgehend pestizidfreie Kommune ist möglich. Dies setzt ein verändertes Denken hinsichtlich des Schönheitsideals einer Stadt, die Bereitschaft zu Verhaltensänderungen und politischen Veränderungswillen voraus. Dachau ist dafür ein gutes Beispiel."

Pflanzenschutzmittel werden neben der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau auch auf öffentlichen Flächen der Kommunen eingesetzt. Der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann und die Mitarbeiter der Abteilung Stadtgrün und Umwelt informierten Pronold anlässlich einer Ortsbegehung über die verschiedenen Möglichkeiten einer pestizidfreien Bewirtschaftung der städtischen Grünflächen.

Die Stadt ist schon seit den 80er-Jahren aktiv dabei, auf bestimmten Flächen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden bzw. zu minimieren. So werden störende Pflanzen zum Beispiel auf Gehwegen oder öffentlichen Eingangsbereichen abgeflammt, mechanisch oder mit Kehrmaschinen beseitigt. Des Weiteren hat die Stadt Ackerflächen, die sie 2014 erworben hat, an einen Biobauern verpachtet.

Oberbürgermeister Hartmann: "Das Verbot von Glyphosat auf städtischen Flächen ist ein erster Schritt hin zu einer umweltfreundlichen Bewirtschaftung. Andere Kommunen, so zum Bespiel jüngst auch der Landkreis Dachau, ziehen nun mit ähnlichen Beschlüssen nach. Zum Erhalt der Artenvielfalt in Flora und Fauna in Deutschland sind aber bundesweite gesetzliche Regelungen notwendig."

Pronold: "Das Bundesumweltministerium setzt sich für einen grundsätzlichen Ausstieg aus Glyphosat bis zum Ende dieser Legislaturperiode ein. Daher sind uns die Erfahrungen der Landwirte und Kommunen, die sie beim Vermeiden von Pestiziden machen sehr wichtig. Denn letztlich dürfen wir nicht bei Glyphosat stehenbleiben, wenn wir eine insgesamt umwelt- und naturverträglichen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erreichen wollen."

"Glyphosatfrei" für die Tourismuswerbung?

"Wir sind ja auch Verpächter landwirtschaftlicher Flächen. Und dann haben wir uns entschieden, unsere Flächen so auszuschreiben, dass das nicht mehr eingesetzt werden darf. Weil wir sagen: Im Zweifel für den Verbraucher," begründet Florian Schiller (CSU), Stadtrat Dachau, die Entscheidung Flächen nur noch an Landwirte zu verpachten, die sich verpflichten auf Glyphosat zu verzichten.

Die Klausel gegen Glyphosat wird jeweils eingefügt, wenn ein Pachtvertrag zur Verlängerung ansteht – die Bauern haben bisher kein Problem damit, heißt es aus Dachau.

Etikett "glyphosatfrei" hilft auch der Tourismuswerbung: ""Ja, es sollte sich auch auszahlen. Es ist auch eine Image-Sache. Wir haben naturnahen Tourismus," gibt Wolfgang Rzehak (Grüne), Landrat in Miesbach, zu. Miesbach hat sich bereits vor einigen Monaten als "Glyphosatfrei" bezeichnet.