Agrarwirtschaft

DRV-Ernteschätzung
Raiffeisenverband sagt niedrigste Getreideernte seit 1994 voraus

Claas Mähdrescher Getreide Ernte

Ernte 2018 endet in einem historischen Desaster.

Bild: Pixabay

Der Selbstversorgungsgrad für Getreide sinkt erstmals seit vielen Jahren unter 100 Prozent. Zu diesem Schluss kommt der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) in seiner aktuellen Ernteschätzung.

Aufgrund der extremen Trockenheit der vergangenen Monate erwartet der DRV eine Getreideernte von 36,3 Millionen Tonnen. Das ist der niedrigste Wert seit 1994. Das schwache Vorjahresergebnis in Höhe von 45,6 Millionen Tonnen wird um gut 20 Prozent unterschritten, der langjährige Durchschnitt von 47,9 Millionen Tonnen um fast 25 Prozent verfehlt.

Die Rapsernte wird wie im Vormonat bei rund 3,5 Millionen Tonnen gesehen und verfehlt damit das enttäuschende Vorjahresergebnis um fast 19 Prozent.

„Die Verbraucher müssen sich aber keine Sorgen machen, dass sie bald vor leeren Brotregalen stehen. Die Versorgung auf dem globalen Weizenmarkt ist weiterhin gut“, sagt Guido Seedler, DRV-Getreidemarktexperte.

Die aktuelle Ernteschätzung des DRV basiert auf den Flächenangaben des Statistischen Bundesamtes vom 2. August und eigenen Erhebungen zu den Erträgen. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit ist die Nachfrage von viehhaltenden Betrieben und Biogasanlagen nach Mais zulasten von Körnermais stark angestiegen.

Daher hat der DRV die Ernteflächen für diese Kultur in den südlichen und westlichen Bundesländern zwischen 10 und 25 Prozent verringert, in den nördlichen und östlichen sogar um bis zu 85 Prozent. Der Verband geht somit gegenwärtig von einer Erntefläche in Höhe von 276 statt 442 Tausend Hektar aus. Die Körnermaisernte wird folglich nur noch auf insgesamt 2,3 Millionen Tonnen prognostiziert (- 49 % zum Vorjahr).

Die Getreide- und Rapsernte ist mittlerweile abgeschlossen – zwei bis drei Wochen früher als üblich. Die Qualitäten sind im Regelfall gut bis befriedigend, lediglich die Braugerste weist teilweise einen zu hohen Proteingehalt und der Roggen oftmals einen zu hohen Schmachtkornanteil auf.

Die Erntemenge von Winterweizen ist ein weiteres Mal auf nunmehr 19,3 Millionen Tonnen nach unten angepasst worden (- 20 % zum Vj.). Die Wintergerste wird auf knapp 7,4 Millionen Tonnen geschätzt (- 18 % zum Vj.). Das Ergebnis bei der Sommergerste sieht der Verband zwar mit knapp 2,1 Millionen Tonnen über dem Vorjahresniveau, der Grund dafür ist jedoch die stark angestiegene Anbaufläche (+ 31 %). Die Roggenernte liegt bei knapp 2,1 Millionen Tonnen.

Die enttäuschende deutsche Ernte trifft auf ein unterdurchschnittliches Ergebnis in Europa. In diesem Marktumfeld halten die Raiffeisen-Genossenschaften eine Vielzahl von Vermarktungsmöglichkeiten bis hin zur Lohnlagerung bereit. So können die Landwirte kurzfristig auf Marktentwicklungen reagieren und zukünftige Chancen nutzen.

Details zur Schätzung: siehe Tabellen

Quelle: Deutscher Raiffeisenverband e.V.