Beruf und Karriere

Landwirtschaft - Tradition und Zukunft
Landwirt sein ist mehr als ein Beruf - Der Markt der Bauern: global und regional

Landwirt im Kuhstall

Ganz nah am Tier und mit Leib und Seele Landwirt sein.

Bild: DMK

Landwirtschaft ist leben und arbeiten auf dem Hof. „Die Mischung aus Arbeit und Freizeit macht es aus“, sagt der 25-jährige Jungbauer Stefan Schmidt zum Berufsbild Landwirt.

Die Branche ist mit allen vor- und nachgelagerten Bereichen immer noch der wirtschaftliche Motor Nummer eins auf dem Lande. Ihre Familien, ihre Lebensweise sind eine gesellschaftliche Säule in vielen Dörfern.

Sie sind das Fundament des ländlichen Raumes „Wir arbeiten 365 Tage im Jahr mit höchstem Einsatz dafür, dass der Verbraucher aus einer Vielzahl an gesunden, sicheren und bezahlbaren Lebensmitteln aus heimischen Landen auswählen kann“, so der WLV-Kreisverbandsvorsitzende Rainer Meyer.

Landwirtschaft ist verankert und innovativ, Tradition und Zukunft - sie liegen im Mühlenkreis dicht beieinander. Mehr als 1.500 Höfe betreiben Ackerbau und Viehzucht. Bauern Leben und Wirtschaften mit der Natur. „Es ist unser ureigenes Interesse, Natur und Schöpfung als unsere Lebensgrundlage zu bewahren“, betont der stellvertretende Vorsitzender Joachim Schmedt.

„Letztendlich wollen wir doch alle hochwertige und gesunde Nahrungsmittel aus nachhaltigem Anbau, mit Blick auch auf künftige Generationen.“ Landwirte seien aber zudem Unternehmer. Sie müssten nicht nur die Bevölkerung, sondern ihre auch Familien ernähren.

Regional - global

Die heimischen Bauern seien fest mit ihrer Scholle verbunden. Viele wirtschafteten schon seit Generationen auf demselben Grund und Boden. Der Markt auf dem sie sich beweisen müssen, ist jedoch inzwischen global; der Rechtsrahmen und die Förderpolitik in der sie sich bewegen, zum großen Teil europäisch.

„Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist eines der wenigen Politikfelder in Europa, in dem die Mitgliedsstaaten wirklich Kompetenzen nach Brüssel abgegeben haben“, erklärt der Vorsitzende Meyer. Die Agrarausgaben und die Förderung der ländlichen Räume seien mit 37 Prozent am aktuellen EU-Haushalt auch deswegen so ein großer Posten, weil die Mitgliedsstaaten andere Ausgaben wie beispielsweise für Verteidigung oder Soziales, die um ein vielfaches höher liegen, lieber noch selbst verwalteten.

„Rechnen wir um, wie viel jeder EU-Bürger pro Tag für gesunde und sichere Nahrungsmittel und die Förderung des ländlichen Raumes an Steuern zahlt, kommen wir auf einen Betrag von 32 Cent“, verdeutlicht Meyer und erläutert das im Moment wieder lebhaft über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik in Europa diskutiert werde.

„Auch wenn die gemeinsame Agrarpolitik bisher sicher große Schwächen hatte, so hat sie doch insgesamt zur Stabilität Europas beigetragen“, ist sich Meyer sicher. Einzelstaatliche Lösungen wären keine ernsthafte Alternative.

Startete die Agrarpolitik in Europa in den 50er und 60er Jahren mit der Absicherung eines gewissen Erzeugerpreisniveaus, so habe sich über die Jahre ein Wandel vollzogen. Nicht mehr der Preis für Milch, Fleisch oder Getreide werde direkt gestützt, vielmehr gebe es so genannte Direktzahlungen. Zudem können sich Landwirte beispielsweise so genannte Agarumweltmaßnahmen fördern lassen.

Auch das diene letztlich der Einkommensunterstützung, da das Preisniveau am Weltmarkt für viele Erzeuger nicht auskömmlich sei. Um die Direktzahlungen in voller Höhe zu erhalten, müssen Landwirte zahlreiche Verpflichtungen des Umwelt-, Tier- und Pflanzenschutzes, bei der Tiergesundheit, beim Boden- und Gewässerschutz sowie bei der Lebensmittelsicherheit erfüllen. „Über diesen Hebel müssen wir vor allem in Deutschland Standards und Auflagen einhalten, die es anderswo gar nicht gibt“, sagt der Vorsitzende Meyer.

„Selbstverständlich stehen wir zu Artenvielfalt und Ressourcenschutz, zudem wollen und müssen wir wettbewerbsfähig sein.“ Eine Förderung der Landwirte in Deutschland über die derzeitige Förderperiode hinaus, ist daher aus Sicht des Praktikers nötig.

Eine aktuelle Studie der Ruhruniversität Bochum beziffere die Mehrkosten der deutschen Landwirtschaft aufgrund von europäischen und nationalen Auflagen auf über fünf Milliarden Euro jährlich. „Vor diesem Hintergrund bekommt der viel zitierte Leitspruch, öffentliches Geld für öffentliche Leistungen´ eine ganz andere Bedeutung“, ergänzt Meyer.

Letztlich geht es den Landwirten um unternehmerische Freiräume. Der Stellvertreter Schmedt unterstreicht: Der Politik- und Rechtsrahmen müsse so gesetzt sein, dass die Betriebe sich entwickeln können.

„Zu starre Regeln und schlechte wirtschaftliche Perspektiven führen nur dazu, dass sich unsere gut ausgebildeten und motivierten Nachwuchskräfte aus der praktischen Landwirtschaft verabschieden“, so Schmedt. „Wir wünschen uns von der Politik Augenmaß bei den Regelungen, weniger Bürokratie und mehr Gerechtigkeit.“ Viele Gesetze würden am Schreibtisch entstehen, fern der Realität.

Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus?

„Vielfältig“, sagt Vorsitzender Rainer Meyer. Die Landwirtschaft leiste weiterhin Vieles, wie die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel – bio und konventionell. Sie pflege unsere Kulturlandschaft; sie sichere Arbeitsplätze und Wirtschaft im ländlichen Raum.

Sie trage ebenso zur Gewinnung von Energie und Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen bei. Mit Forschung und Innovation werden nach Ansicht des Vorsitzenden Naturstoffe künftig noch stärker als bisher genutzt werden. „Dabei hat die Ernährungssicherung für uns stets Vorrang vor der Erzeugung von Rohstoffen für Industrie und Energie“, bemerkt der Meyer.

Auch die Regionalität unserer Lebensmittel rücke gesellschaftlich mehr ins Bewusstsein. So biete zukünftig sicherlich der Online-Lebensmittelhandel für manche lokale Landwirtsfamilie eine zusätzliche Verkaufsmöglichkeit neben ihren Hofladen. Meyer: „Durch die Technisierung und Digitalisierung werden uns viele Arbeiten erleichtert und wir können uns mehr unseren ureigensten Aufgaben widmen: unseren Tieren und eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung.“

Hier wünschen sich die Bauernfamilien, dass die Verbraucher auch wirklich bereit sind, mehr Geld für ihre „Lebens-Mittel“ auszugeben und dieses Versprechen auch an der Kasse noch einlösen.

„Es gibt viele neue Ideen - wird sind ein bodenständiger und dennoch dynamischer Berufszweig“, unterstreicht der Vorsitzende. Er blickt gespannt, aber zuversichtlich in die Zukunft und ist sich sicher, „die Landwirtschaft wird es immer geben, denn schließlich müssen wir alle essen.“

Quelle: WLV - Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband e. V.