Bio, Ökolandbau & Umwelt

Foodcoop
Alternativer Vermarktungsweg für Ökobetriebe

Einkaufskorb

Mitglieder einer Erzeuger-Verbrauchergemeinschaft können in den Mitgliederläden in der Regel günstiger einkaufen als Nicht-Mitglieder.

Bild: Pixabay

Viele ökologische Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe sind auf der Suche nach geeigneten Alternativen in der Vermarktung, weil sie sich dadurch fairere Preise erhoffen. Foodcoop ist eine der Möglichkeiten.

Klassisch ist die Direktvermarktung über den eigenen Hofladen, den Wochenmarkt oder den Abokistenvertrieb. Je nach Lage und Ausrichtung des Hofs sind diese Formen der Direktvermarktung jedoch nicht für alle Betriebe gleichermaßen geeignet.

Daneben gibt es aber noch eine Reihe anderer Möglichkeiten. Zum Beispiel der Verkauf an Lebensmittelkooperativen – bekannter unter dem Namen Foodcoops.

Was sind Foodcoops?

Foodcoops sind Einkaufsgemeinschaften: Das heißt, eine Gruppe von Menschen schließt sich zusammen und bestellt gemeinsam größere Mengen an Lebensmitteln.

Den meisten Foodcoops ist es dabei wichtig, dass diese Lebensmittel aus ökologischer, regionaler und sozialverträglicher Erzeugung stammen. Darüber hinaus gibt es meist noch weitere Einkaufskriterien: So legen viele Foodcoops zum Beispiel Wert darauf, dass unnötiges Verpackungsmaterial vermieden wird.

Durch die großen Bestellmengen ist es Foodcoops möglich, den Zwischenhandel zu umgehen und direkt an den Erzeugerbetrieb beziehungsweise den Großhandel heranzutreten.

Auf diese Weise kann die Foodcoop ökologisch und fair erzeugte Lebensmittel zu günstigeren Preisen einkaufen und an seine Mitglieder abgeben. In den meisten Foodcoops wird dafür jedoch ein Mindestmaß an Mitarbeit vorausgesetzt.

Denn irgendwer muss die Lebensmittel ja bestellen, sortieren und verteilen, die Mitglieder organisieren und dafür sorgen, das pünktlich bezahlt wird. Insofern treten Foodcoops auch nicht in Konkurrenz zu Bioläden, wie häufig kritisiert wird: Wem es eher an Zeit als an Geld mangelt, geht meist lieber in den Bioladen.

Wer dagegen mehr Zeit als Geld hat, für den sind Foodcoops die ideale Lösung.

EVG – Der Prototyp der regionalen Vernetzung zwischen Verbrauchern und Erzeugern

Foodcoops, in denen der Gedanke der regionalen Vernetzung zwischen Ökoerzeugerinnen und Ökoerzeugern und Verbraucherinnen und Verbrauchern intensiv gelebt wird, sind Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften – kurz EVGs.

Die ersten EVGs entstanden bereits vor über 30 Jahren und waren zu Beginn noch sehr einfach strukturiert. In der Regel reichte damals eine Garage oder ein Kellerraum in der Stadt, um die Lebensmittel der wenigen ökologischen Zulieferbetriebe aus der Region zu lagern und an die Mitglieder zu verteilen.

Einige dieser EVGs sind heute zu großen Unternehmen herangewachsen. Sie verkaufen in professionell geführten Mitgliederläden die Produkte der beteiligten Öko-Erzeugerbetriebe.

Ein Beispiel für eine solche gut funktionierende EVG ist die Verbrauchergemeinschaft (VG) Dresden. Sie wurde 1991 mit 20 Mitgliedern und einem provisorischen Laden in einer Mietwohnung gegründet.

Heute hat die VG Dresden 10.000 aktive Mitglieder, 140 Angestellte und etwa 90 regionale Zulieferbetriebe. Erhältlich sind die EVG-Produkte in sieben Mitgliederläden.

Welchen Nutzen zieht der Erzeugerbetrieb aus der Foodcoop?

Aufgrund der Sammelbestellungen von Foodcoops kommt in der Regel so viel Menge zusammen, dass es sich auch für (kleinere) Ökobetriebe in der Region lohnt, Gemüse, Obst, Milch(produkte) oder Fleisch zu günstigeren Konditionen an die Foodcoop zu liefern.

Wie bei der Direktvermarktung umgeht der Erzeugerbetrieb den Zwischenhandel und kann auf diese Weise faire Preise für seine Waren aushandeln. Langfristige Abnahmeverträge mit der Foodcoop bieten darüber hinaus Planungssicherheit und motivieren viele Betriebe dazu, Schritte für eine (noch) nachhaltigere Form der Erzeugung und Verarbeitung zu gehen.

Was sollten interessierte Betriebe beachten?

Wer Interesse an einer Kooperation hat, sollte sich als erstes darüber informieren, ob es in der Umgebung eine Foodcoop gibt und wie weit diese vom eigenen Betrieb entfernt ist.

Mit Foodcoopedia.de hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Lebensmittelkooperativen dafür ein zentrales Informations-Wiki eingerichtet. Dort gibt es neben allgemeinen Informationen eine nach Bundesland differenzierte Liste mit den existierenden Foodcoops in Deutschland, die eine erste Anlaufstelle für Suchende bietet.

Da sich dort allerdings nicht alle Initiativen eintragen, empfiehlt die Bundesarbeitsgemeinschaft interessierten Betrieben darüber hinaus die Suche über eine Internet-Suchmaschine mit den Begriffen "foodcoop" und dem Ort, in dessen Umgebung gesucht wird.

Hat man eine oder mehrere Foodcoops gefunden, sollte man im nächsten Schritt Kontakt mit den Verantwortlichen aufnehmen und herausfinden, ob und falls ja, an welchen Lebensmitteln die Foodcoop Interesse hat.

Außerdem muss geklärt werden, ob man innerhalb des Liefergebiets der Foodcoop liegt. Viele Foodcoops legen sehr großen Wert auf regionale Erzeugung, weswegen die Abstandsfrage direkt zu Beginn geklärt werden sollte.

Wichtig ist, auch zu klären welche Qualitäten erwartet werden. Reicht es, wenn man nach EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau wirtschaftet oder müssen die Lebensmittel nach den Richtlinien eines anerkannten Anbauverbands erzeugt werden.

Man kann der Foodcoop auch anbieten, den Hof und die Produkte bei einer der Mitgliedsversammlungen vorzustellen oder zu einer Hofbesichtigung einzuladen. Das kostet zwar Zeit, schafft aber Vertrauen und ebnet damit den Weg für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
 

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung