Bio, Ökolandbau & Umwelt

Biodiversität im Ökolandbau
Der Ökolandbau leistet viel für die Biodiversität - Was kann man noch verbessern?

Ökoäcker, Wildkräuter

Auf Ökoäckern und -wiesen sind sehr viel mehr Wildkräuter zu finden als auf konventionellen Nutzflächen.

Bild: Pixabay

Die biologische Vielfalt unserer Kulturlandschaften ist in einem kritischen Zustand. Tagtäglich gehen zahlreiche für unser Ökosystem wichtige Wildpflanzen, Wildtiere und Biotope für immer verloren – und das in einem immer rasanteren Tempo.

Wie kritisch der Zustand ist, machte zuletzt eine Zahl im Jahr 2017 zum Insektensterben besonders deutlich. Ein Team von Wissenschaftlern präsentierte damals in einer Studie, dass die Insektenbiomasse in verschiedenen Gebieten Nord- und Nordwestdeutschlands im Laufe der letzten 27 Jahre um über 75 Prozent abgenommen hatte.

Doch so schockierend diese Zahl ist. Sie ist nur eine von vielen, die dokumentiert, wie stark die Biodiversität in unseren Kulturlandschaften verloren geht.

Seit 1950 hat die Häufigkeit typischer Grünlandpflanzenarten in Deutschland um bis zu 90 Prozent abgenommen, auf den Äckern sind sogar mehr als 95 Prozent verloren gegangen. Etwa ein Drittel der bundesweit rund 350 Wildpflanzen, die auf Äckern heute noch zu finden sind, gelten inzwischen als gefährdet.

Nicht nur Wildpflanzen verschwinden. Auch Insekten, Feldvögel, Feldhasen und andere wildlebende Tierarten werden immer weniger. Offizielle Zählungen zeigen, dass der Gesamtbestand von Agrarvögeln allein zwischen 1980 und 2000 um 52 Prozent zurückgegangen ist. Besonders betroffen sind Rebhuhn (94 Prozent), Ortolan (87 Prozent), Braunkehlchen (71 Prozent) und Bluthänfling (62 Prozent), aber auch "Allerweltsarten" wie die Feldlerche sind immer seltener zu finden.

Der Gesamtbestand der Insekten hat in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen: 75 Prozent weniger Insektenbiomasse als noch vor drei Jahrzehnten. Von den aktuell 560 Wildbienenarten sind etwa 41 Prozent als bestandsgefährdet einzustufen.

Das alles geht aus dem Thünen-Report 65 "Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft" hervor.

Hauptgrund ist die intensive Landwirtschaft

Eine der Hauptursachen für den Biodiversitätsverlust, da sind sich die Expertinnen und Experten einig, liegt in der Intensivierung der Landwirtschaft. So hat in den vergangenen Jahrzehnten die Nährstoffzufuhr über Dünger sowie der Einsatz von Pestiziden extrem zugenommen, Fruchtfolgen wurden stark vereinheitlicht und verengt.

Hinzu kommt eine immer effektivere Erntetechnik und Saatgutreinigung, die ihren Beitrag zum Artenschwund leistet. Brachen beziehungsweise Flächenstilllegungen, Dauergrünland und extensiv bewirtschaftete Lebensräume wurden über die Jahrzehnte immer seltener und auch Landschaftselemente wie Feldhecken und Raine sind zunehmend beseitigt worden.

Ökolandbau leistet viel für die Biodiversität

Dass der Ökolandbau in puncto Naturverträglichkeit besser abschneidet als die konventionelle Landwirtschaft, konnte in den vergangenen Jahren bereits mehrfach in Studien nachgewiesen werden. Um einen Gesamtüberblick zu erhalten, in welchen Bereichen und vor allem in welchem Maß die Biodiversität unserer Agrarlandschaften vom Ökolandbau profitiert, hat ein Wissenschaftlerteam des Leibniz Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im Rahmen einer Metastudie eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen aus den letzten 30 Jahre ausgewertet.

Dabei konnten die Verfasserinnen und Verfasser der Studie viele wertvolle Erkenntnisse zusammentragen: So liegt zum Beispiel die mittlere Artenzahl bei Ackerwildkräutern unter ökologischer Bewirtschaftung um 95 Prozent höher als unter konventioneller Bewirtschaftung.

Im Ackerinneren ist dieser positive Effekt sogar noch deutlicher als am Ackerrand. Auch die Ackersamenbank – das heißt, das im Ackerboden befindliche Samenpotenzial – und die Saumvegetation ist im ökologischen Landbau eindeutig arten- und individuenreicher: Bei der Ackersamenbank lagen die Ökoflächen im Vergleich zu den konventionellen um 61 Prozent, bei der Saumvegetation um 21 Prozent vorne. Auf ökologisch bewirtschafteten Feldern und Wiesen sind zudem 35 Prozent mehr Feldvogelarten und 23 Prozent mehr blütenbesuchende Insekten zu finden.

Die Studie "Leistungen des Ökolandbaus für Umwelt und Gesellschaft", die auch die Wirkung des Ökolandbaus auf andere Bereiche wie Klimaschutz oder Tierwohl untersuchte, wurde im Januar 2019 veröffentlicht.

Studie: "Leistungen des Ökolandbaus für Umwelt und Gesellschaft" als PDF-Datei

Auch im Ökolandbau besteht noch Potenzial nach oben

Wenngleich die Studie klar und deutlich die Vorteile der ökologischen Landwirtschaft herausstellt. Die Expertinnen und Experten sind sich einig, dass auch im Ökolandbau noch einiges verbessert werden kann.

Denn auch Ökobetriebe sind zunehmend den Zielkonflikten zwischen Landnutzung und Naturschutz ausgesetzt. Der steigende ökonomische Druck sowie die hohen Boden- und Pachtpreise verleiten auch Ökolandwirtinnen und Ökolandwirte immer mehr zur Intensivierung und Spezialisierung.

Besonderen Bedarf sehen die Naturschutzexpertinnen und -experten vor allem in der Schaffung zusätzlicher Lebensräume, wie Hecken, Feldgehölze, Trockenmauern oder Steinhaufen. Ein Forscherteam rund um das Schweizer Agroscope Institut fand in einer mehrjährigen Studie heraus, dass solche zusätzlichen Lebensräume auch auf Ökobetrieben rar sind.

Eben solche Lebensräume abseits des Ackers werden aber von vielen Arten als Teillebensräume benötigt und sind nach Ansicht der Expertinnen und Experten daher besonders wichtig für die Biodiversität. Je vielfältiger die Lebensräume sind und je mehr sich diese vom Rest der Betriebsfläche unterscheiden, umso besser.

Doch auch auf den Nutzflächen der Ökobetriebe, das heißt den Wiesen, Weiden und Äckern, kann das Biodiversitätspotenzial noch weiter ausgebaut werden.

Quelle: BLE