Obst-Gemüse-Weinbau

Gartenbau
Aktuelle Forschungs- und Versuchsergebnisse bei Tomaten, Paprika und Topfkulturen

Die Zielsetzung des Tomatenversuchs war es, anhand eines Sortimentstests geeignete Sorten für die Direktvermarktung zu finden.

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Michael Kloss präsentierte Ergebnisse eines Sortenversuchs im Tomatenanbau, die Prüfung neuer Veredelungsunterlagen bei Paprika, sowie eine Studie zur Eignung von Biokohle als Substratbestandteil bei Topfkulturen.

Tomatenversuch

Die Zielsetzung des Tomatenversuchs war es, anhand eines Sortimentstests geeignete Sorten für die Direktvermarktung zu finden. Geprüft wurden rote und rosa farbene Sorten mit einem Fruchtgewicht zwischen 50 – 100 g hinsichtlich ihres Geschmacks, der Festigkeit, Süße und Ertrags. 

Der Pflanztermin war Ende März, der Erntezeitraum erstreckte sich vom 22.05. bis 12.10.2017. Unter Berücksichtigung aller Kriterien kann eine Empfehlung für die Standardsorte ˈCampri F1ˈ (Enza) bestätigt werden.

Die Sorten ˈPatia Rose F1ˈ (Volmary) sowie ˈ72-003 F1ˈ (Rikj Zwaan) konnten ebenfalls überzeugen.

Die Sorte ˈTG 9102 F1ˈ (Uniseeds) zeigte unter allen geprüften Sorten die höchste Fruchtfestigkeit, erreichte aber in den anderen Kriterien nur durchschnittliche Werte.

Paprikaversuch

Im Paprikaanbau ist es in den vergangen Jahren verstärkt zu Ertragsrückgängen bei langjährigen Anbau gekommen. Für die Praxis stellt sich die Frage, ob durch eine Veredelung auf resistente Unterlagen – wie es sich bei Tomaten bewährt hat – der Rückgang vermieden werden dann.

Am Gartenbauzentrum des LLH in Geisenheim wurde ein Versuch zum Einfluss der Veredelung von Paprika auf den Ertrag durchgeführt, mit dem Ziel, bereits gesammelte Ergebnisse der LVG Heidelberg abzusichern.

Dazu wurde auf sechs verschiedenen Unterlagen dieselbe Ertragssorte (ˈPalermoˈ) veredelt und der Versuch im schwach geheizten Folienhaus in Erdkultur durchgeführt. Als Vergleich diente die Veredelung der Sorte ˈParlemoˈ auf sich selbst. Die Ernte erfolgte vom 20.06 bis 11.10.2017.

Eine nennenswerte Verbesserung des Ertrags konnte ausschließlich bei den Sorten ˈCapsifort F1ˈ (De Ruiter) und ˈScarface F1ˈ( Enza Zaden) verzeichnet werden. Letztendlich konnten die Ergebnisse aus Heidelberg bestätigt werden, dass es teilweise leichte Verbesserungen beim Ertrag gibt, die Entscheidung für oder gegen die Verwendung von veredeltem Pflanzgut jedoch einzelbetrieblich getroffen werden muss.

Versuch mit Biokohle

Die physikalisch-chemischen Eigenschaften von Biokohle (verkohlte Pflanzenmaterialien) – wie ihr hohes Feinporenvolumen, eine hohes Nährstoffaufnahmevermögen, die gute Pufferwirkung gegenüber pH-Wert Schwankungen und eine fördernde Wirkung auf die Widerstandskraft von Pflanzen gegenüber bodenbürtigen Krankheitserregern – macht sie als potentieller Bestandteil von Kultursubstraten interessant.

Speziell mit der Zielsetzung, durch deren Verwendung torffreie Substrate in ihrer Qualität und Homogenität zu verbessern.  Am Gartenbauzentrum Geisenheim wurde vom LLH zusammen mit der Hochschule Geisenheim University (HGU) im Rahmen einer Bachelorarbeit ein Versuch mit Topfbasilikum (Sorte: ˈEdwinaˈ von ENZA) durchgeführt, um die hypothetischen positiven Eigenschaften zu testen.

Der Versuch wurde als Steigerungsversuch angelegt, bei dem Biokohle aus Rebenholz zum einen in ein torffreies sowie in ein gärtnerisches Kultursubstrat auf Torfbasis eingemischt wurde. Es wurden für den Versuch 9 Varianten angelegt. Die Kontrollvariante war ein auf Torfbasis (Klasmann Deilmann) zusammengesetztes Substrat.

Auch beim torffreien Substrat (Kleeschulte Bio-Torfsubstrat) wurde eine Variante ohne Zuschlag angelegt und drei Varianten mit 2%, 5% und 10% Biokohle Beimischung. Es wurden schließlich noch vier Varianten mit Hefetrub angelegt – welcher als organischer Dünger wirkt- , wovon zwei mit 5 % und 10 % Biokohle und die anderen ohne Kohlezuschlag versehen waren. Bei der Ergebnisauswertung wurden u.a. die Parameter Pflanzenhöhe, Durchmesser der Pflanze im Topf und die Frischmasse bewertet.

Hinsichtlich der Pflanzenhöhe schnitten die Varianten mit Hefetrub und ohne weitere Düngung sehr gut ab, wobei im Vergleich der 2 %, 5 % und 10 % Variante untereinander die jeweils geringste und höchste Variante besser abschnitten als die mittlere Beimengung mit 5 %. Bei der Betrachtung des Pflanzendurchmessers schnitt ebenfalls die zweiprozentige Variante besser als die fünfprozentige ab. Bei der Frischmasse zeigte das konventionelle Substrat auf Torfbasis das beste Ergebnis.

Das vorliegende Ergebnis lässt die Vermutung zu, dass insbesondere mit geringer Beimengung von Biokohle eine Verbesserung des Pflanzenwachstums bewirkt werden kann. Die gute Speicherfunktion und anschließende Freisetzung der Nährstoffe (Depotwirkung) konnte im Versuch nicht nachgewiesen werden, ebenso konnte keine Aussage zur suppressiven Wirkung auf Pathogene getroffen werden, da alle Pflanzen frei von jeglichem Krankheitsbefall waren.

Um die Versuchstendenz abzusichern, ist eine weitere Versuchsreihe in Zusammenarbeit mit Fr. Prof. Dr. Claudia Kammann (HGU) geplant, insbesondere um die niedrig konzentrierten Zuschlagsvolumina auf ihre Wirkungsweise hin abzusichern.

Quelle: Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen