Tierhaltung

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Schäfer kämpfen ums Überleben: Ohne Weidetierprämie bald keine Schäfer mehr

Schafhaltung wie hier in der Lüneburger Heide vor dem finanziellem aus.

Bild: Manfred Schütze / pixelio.de

Etwa 900 haupterwerbliche Schäfer gibt es noch in Deutschland. Jedes Jahr werden es weniger. EU-weit erhalten Schäfer finanzielle Unterstützung: knapp 40 Euro pro Muttertier. Nur in Deutschland verweigert man ihnen diese Prämie.

Die Deutschen Berufsschäfer machen mobil. Gemeinsam mit 40 Schafen machen sich über 200 Schäfer auf nach Berlin. Sie demonstrieren morgen vor dem Landwirtschaftsministerium und fordern eine Weidetierprämie für extensiv gehaltene Mutterschafe und Mutterziegen. In Europa ist diese Förderung in den meisten Ländern bereits praxis. Nur Deutschland lässt seine Schäfer, aus nicht nachvollziehbaren Gründen, im Regen stehen. 

Die Leistungen der Schäferei sind unverzichtbar für die Gesellschaft. Schäfer pflegen rund 10 Prozent des Dauergrünlandes. Sie tragen wesentlich bei zum Erhalt unserer Landschaft, Natur, Umwelt und Regionen. Sie erzeugen hochwertige Lebensmittel auf tiergerechte Weise. Viele ökologisch wichtige Flächen sind auf natürliche Beweidung angewiesen.

Die Bundesregierung könnte eine Weidetierprämie ab 2019 unkompliziert einführen, als Direktzahlung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik. Das Geld dafür stellt die EU bereits länger in ihrem Haushalt bereit. Es bräuchte lediglich von der Deutschen Bundesregierung abgerufen und den Schäfern in Deutschland zugeführt werden. Damit wäre die Zukunft der Schäfer und ihrer gesellschaftlichen Leistungen erstmal gesichert. Bisher verweigert das Bundeslandwirtschaftsministerium diesen Schritt.

Die Weidetierprämie ist eine gekoppelte Stützung als Teil der Direktzahlungen nach Titel IV der Verordnung (EU) 1307/2013 in Verbindung mit 639/2014 und 640/2014. Insgesamt 22 europäische Mitgliedstaaten fördern ihre Schäfer mit rund 500 Millionen Euro im Jahr. Deutschland ist eines der wenigen Länder in Europa das auf eine Weidetierprämie verzichtet.

Petition an die Agrarministerkonferenz

Die letzte Hoffnung der Schäfer ist die kommende Agrarministerkonferenz im April. Dort müssten die Weichen gestellt werden, damit auch sie ab 2019 diese Prämie erhalten können.

Dazu startete Wanderschäfer Sven de Vries eine Petition, die inzwischen über 50.000 Unterstützer gefunden hat.

"Die Schlinge zieht sich fester zu und wir stehen an einem Scheideweg, der über die Zukunft der Schäferei in Deutschland entscheidet. Aktuell gibt es die Chance für die Politik einen ersten Schritt zu gehen und das Sterben der Schäfereien vorerst zu bremsen. Es gibt ein Mittel die in ihrer Existenz bedrohte Form der Landwirtschaft zu stützen. Wenn wir jetzt handeln, könnte die Politik schon im nächsten Jahr eine Weidetierprämie für Schafe und Ziegen einführen," wirbt Sven de Vries dort um Unterstützung.

Hohe Arbeitsbelastung, viel Verantwortung, zunehmende Bürokratie und immer wieder Geldsorgen. Wer heute Schäfer ist, ist es vor allem aus Idealismus. Reichtum erwirbt man mit diesem Beruf nicht. Im Gegenteil: Der Kampf ums tägliche Überleben, um die Existenz und die Zukunftssorgen zwingen immer mehr Berufsschäfer zur Aufgabe. Über 13 Prozent von ihnen haben in den letzten 6 Jahren das Handtuch geworfen. Die kritische Grenze von 1000 Berufsschäfern ist unterschritten und das Sterben dieses Berufes könnte bald rasant steigen.

"Wenn ihr die Schäferei in Deutschland erhalten möchtet, bitte ich euch, unsere Petition zu unterzeichnen und im Netz zu verbreiten," wirbt Sven de Vries um Unterstützung für seine gestartete Petition. "Ich wünsche mir so sehr, dass diese wunderbare und einzigartige Art der Tierhaltung in Deutschland erhalten bleibt. Ich möchte, dass Schäferinnen und Schäfer auch weiterhin auf die Reise gehen und mit ihren Herden ein Stück Landwirtschaft zu den Menschen, manchmal bis vor deren Haustür tragen. Und ich möchte die vielen einzigartigen Kulturlandschaften und Biotope gesichert wissen, die wir mit unseren Herden einst geschaffen haben und noch bis heute bewahren."

Wer dieses Anliegen jetzt unterstützen will, kann hier die Online-Petition unterschreiben und dem Anliegen mit seiner Stimme Nachdruck verleihen.

Quelle: Bundesverband Berufsschäfer e.V.