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Weniger Antibiotika: Ferkel sind gesünder dank Tanninen

ferkel schweine

Jeder Einsatz von Antibiotika fördert das Auftreten von Antibiotikaresistenzen.

Bild: Pixabay

Die Ferkel gesund aufzuziehen, ist für Schweinezuchtbetriebe eine grosse Herausforderung. Schweizer Forscher sind nun einen Schritt weiter bei der Suche nach präventiven Maßnahmen, um den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren.

Forscher von Agroscope, dem landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum in der Schweiz, konnten einen weit verbreiteten Krankheitserreger isolieren und in einer Testreihe verfolgen.

Ein Futterzusatz von Kastanientanninen verminderte das Auftreten von Absetzdurchfall bei Ferkeln deutlich. Verschiedene Krankheitserreger – darunter am häufigsten das sogenannte Coli-Bakterium ETEC F4 – können beim geschwächten Tier leicht Durchfall auslösen.

Dabei ist für Ferkel das Absetzen die schwierigste Entwicklungsphase. Sie werden von der Muttersau getrennt, können keine Muttermilch mehr trinken und bekommen ein neues Futter auf pflanzlicher Basis. Dadurch werden die Ferkel krankheitsanfällig. Gemäss den Forschenden ist der Versuchsbetrieb von Agroscope mit demselben Problem wie viele Schweinezuchtbetriebe in der Schweiz und der ganzen Welt konfrontiert.

„Seit Jahrzehnten beobachten wir diesen Absetzdurchfall, welcher hauptsächlich durch das Bakterium ETEC F4 hervorgerufen wird. Auf dem Agroscope Versuchsbetrieb in Posieux ist dieses Bakterium natürlicherweise vorhanden. Daher eignet er sich perfekt als Modellbetrieb, um dieses Tiergesundheitsproblem anzupacken“, meint der Agroscope-Mikrobiologe Nicolas Pradervand.

 

ami-marktstudie

Der Versuch zeigt signifikant weniger kranke Ferkel (untere hellblaue Kurve) bei der Fütterung mit Kastanientanninen.

Bild: AMI / BMEL

Schattenseiten von Antibiotika bekämpfen

Üblicherweise wird der Ferkeldurchfall auf der Basis einer tierärztlichen Verordnung mit Antibiotika behandelt. Jeder Einsatz von Antibiotika fördert das Auftreten von Antibiotikaresistenzen. Als Konsequenz davon verlieren die Antibiotika ihre Wirksamkeit.

Gemäß einer kürzlich veröffentlichten Studie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern sind 70% der krankheitserregenden E. coli Bakterien von Schweinen mit Durchfall resistent gegen mindestens ein Antibiotikum und rund 30% gegen mehr als drei Antibiotika.

Eine einfache und sichere Lösung

Die Agroscope-Forscherin Marion Girard testete in ihrem Versuch Pflanzenextrakte, welche eine gesundheitsfördernde Wirkung haben.

Dem Absetzfutter für Ferkel gab sie zwei Prozent Kastanienbaumtannin-Extrakt bei. Diese Mischung verfütterte sie drei Tage vor dem Absetzen und dann während zwei Wochen.

„Die Resultate waren vielversprechend! Wir konnten eine deutliche Verbesserung der Ferkel-Gesundheit feststellen“, bilanziert Girard. Im Gegensatz dazu zeigten Ferkel, die das Standardfutter erhielten, stärkere Krankheitssymptome. Im Agroscope-Versuchsbetrieb wird seither das Tannin-haltige Absetzfutter für alle Ferkel verwendet. 

Agroscope-Labor bestätigt positive Resultate

Im Labor verglich der Agroscope-Forscher Nicolas Pradervand die im Kot abgesetzte Bakterienmenge der Ferkel und konnte eine vergleichbare Entwicklung feststellen.

Mit Tanninen gefütterte Ferkel wiesen deutlich weniger ETEC-Bakterien auf und hatten entsprechend weniger Durchfall.

In diesem Jahr startete Agroscope einen neuen Versuch mit der Esparsette, welche eine andere Art von Tanninen enthält.

Die ersten Resultate der Studie sind erfolgversprechend. Die Esparsette hat zudem den Vorteil, dass sie in der Schweiz angebaut werden kann.

Quelle: Agroscope