Tierhaltung

Tiergesundheit Milchkühe
Zweitägiger Workshop für Tierärzte der Nutztierakademie von Bayer

Dr. Hömberg Bayer

Dr. Hömberg stellt fest: Zu kurze Melkintervalle belasten das Gewebe übermäßig stark, zu lange Melkintervalle beeinflussen sowohl Eutergesundheit als auch Milchleistung negativ.

Bild: Bayer AG, Leverkusen

Die 11.000-Liter-Champions – perfekt gefüttert und optimal gemolken. Gleichzeitige Kontrolle von moderner Melktechnik und Fütterung für optimale Herdengesundheit und nachhaltige Produktion. Darum geht es in einem Seminar der Bayer Nutztierakademie.

Deutsche Milchviehbetriebe setzen auf Melkroboter: Jeder zweite Euro, der investiert wird, geht in die Automatischen Melksysteme (AMS), die einerseits die Arbeit erleichtern, andererseits aber auch neue Herausforderungen im Management der Tiere schaffen.

In einem aktuellen Seminar unter dem Titel „Die 11.000-Liter-Champions – perfekt gefüttert und optimal gemolken“ ermöglichte die Nutztierakademie von Bayer den teilnehmenden Tierärzten, moderne Milchviehhaltung „live“ in einem Betrieb zu erkunden und vertiefende Informationen für den Praxisalltag zu erhalten. 

Systematische Gesundheitschecks statt Tierkontrolle

Für eine erfolgreiche Milchviehhaltung sind zwei Kernaspekte entscheidend: Optimale Fütterung als Grundlage hoher Produktivität und bester Tiergesundheit sowie die automatische Melktechnik, die die Milchleistung tatsächlich realisiert.

Dr. Heinz Janowitz betrachtete als Referent die Aspekte der Fütterung. Er stellte fest, dass für viele Betriebe die Einführung des AMS mit der Einführung einer komplexeren Fütterung einhergehe. Die Fütterung im Roboter mit Konzentraten sei nötig, stelle im Vergleich zur Voll-TMR (Total-Misch-Ration) aber ein mögliches Risiko für die Verdauung und den Stoffwechsel dar. Umso wichtiger sei es, so Janowitz, das Gesundheitsmonitoring zu intensivieren. 

Für den Erfolg des automatischen Melkens seien insbesondere die Klauen von entscheidender Bedeutung: Um den Roboter selbständig aufzusuchen, sei eine optimale Gliedmaßengesundheit unerlässlich. Janowitz betonte, dass das AMS die Betriebsorganisation komplett umstrukturiere, weil das regelmäßige Melken und die damit verbundene Tierkontrolle entfalle und somit durch systematische Gesundheitschecks ersetzt werden müsse. 

Dies unterstrich auch Dr. Dirk Hömberg, der seinen Fokus auf die technischen Aspekte der AMS legte. Zwar böten die AMS viele Möglichkeiten der Tierüberwachung, doch gerade die Überprüfung des Gemelks und damit die Mastitiskontrolle könne vom Roboter nach wie vor nicht in gleicher Qualität geleistet werden wie durch den Menschen. Es sei wichtig, die verfügbaren Informationen aktiv zu nutzen und durch eigene Kontrollen zu ergänzen. 

Die Daten im Blick halten und die Qualität steigt

Besonderes Augenmerk legte Hömberg auf die Melkintervalle, die genau einzuhalten seien: Zu kurze Melkintervalle belasten das Gewebe übermäßig stark, während zu lange Melkintervalle sowohl Eutergesundheit als auch die Milchleistung negativ beeinflussen. Die vom Roboter erhobenen Daten müssten im Blick bleiben, so Hömberg: Ansetzdauer, zeitliche Auslastung und Milchmenge erlauben wertvolle Informationen, die für das Management der Herde entscheidend seien. 

Die Veranstaltung machte deutlich, welche Bedeutung den Daten zukommt, um eine Milchviehherde zu einer optimalen Leistung „wie die der Champions“ zu bringen.

Insbesondere dem Tierarzt wächst angesichts dieser Entwicklung eine neue Rolle zu – die des Wegweisers durch den „Daten-Dschungel“ und des Partners zukunftsgerichteter Landwirte. Die Nutztierakademie von Bayer stellte mit dem Workshop einmal mehr unter Beweis, dass Produktion und Tiergesundheit im Grunde die beiden Seiten einer Medaille sind.

 

Quelle: Bayer AG, Leverkusen